Small Towns

Small towns

Das Institut für Raumplanung und Ländliche Neuordnung der Universität für Bodenkultur wurde beautragt, den strukturellen Wandel von Stadtzentren in Oberösterreich aus raumwissenschaftlicher Perspektive zu untersuchen.

Die Kleinstädte sind in Mitteleuropa mit fundamentalen Veränderungen konfrontiert. Am bekanntesten ist die Abwanderung der Nahversorungsbetriebe aus den Zentren, aber auch die Alterung der Bevölkerung, leerstehende Geschäftslokale durch den Rückgang des einstigen Handwerkes und Verlagerung der Funktionen, leerstehende Wohnungen, schlechte Bauzustände der Gebäude usw.

Fassadenfärbelungen sind als Gegenmaßnahme zu wenig, es Bedarf grundlegender Überlegungen wie die Stadtkerne neu belebt werden können.

    

 

  Pressekonferenz mit

 

 

                                   KommR Viktor SIGL

Wirtschaftslandesrat

 

Un             Univ.-Prof.in DI Dr. Gerlind WEBER

BOKU Wien, Vorstand

am Institut für Raumplanung und Ländl. Neuordnung

 

HR                     DI Wolfgang DANNINGER

Land OÖ, Dorf- und Stadtentwicklung

 

 

am                                     6. Juni 2011 zum Thema

 

Small Towns:

         Neue Wege in der Belebung der Ortskerne

                OÖ startet Pilotprojekt mit den Orten Grein, Enns und Schärding

 

 Weitere Gesprächsteilnehmer/innen:

      Vbgm. Mag. Rainer Barth und Silvia Rumetshofer (Grein),
Dr. Gaby Pils (Enns, Stadtmarketing )
 

 

 

www.viktor-sigl.at, www.liebenswertes-ooe.at

 

           Teilnehmer der Pressekonferenz

DI Anita Kröpfl, Dr.Gaby Pils, LR Viktor Sigl, Univ.-Prof. Dr.DI Gerlind Weber, DI Wolfgang Danninger, Silvia Rumetshofer, Vbgm. Mag. Rainer Barth

 

Small Towns – neue Wege zur Belebung der Ortskerne

OÖ startet Pilotprojekt mit Grein, Enns und Schärding

Die Belebung der Ortskerne in den oberösterreichischen Gemeinden, in den ländlichen Regionen ist ein zentrales Thema der Dorf- und Stadtentwicklung (DOSTE) des Landes Oberösterreich. Die Förderung der Nahversorger, die Schaffung von Gründerzentren, Grünraum-Initiativen oder Dorfplatzgestaltung sind einige der Maßnahmen für ein l(i)ebenswertes Oberösterreich, die in der Dorf- und Stadtentwicklung bzw. vom Wirtschaftsressort bereits sehr erfolgreich und nachhaltig gesetzt werden. 

 

Mit dem Pilotprojekt "Small Towns" will Oberösterreich anhand dreier - in ihrer Ausgangslage unterschiedlicher – Gemeinden auch neue Wege zur Ortskernbelebung gehen. "Dafür wollen wir in einer wissenschaftlichen Studie Ursachen und Gründe für Absiedlung, leerstehende Gebäude, mangelnde Attraktivität und vieles mehr erheben lassen. Ziel ist es, einen klaren Leitfaden für eine Ortskernbelebung zu erstellen, der alle nötigen Aspekte berücksichtigt, um (wieder) Leben in die Ortskerne bringen zu können", kündigt Wirtschaftslandesrat Viktor Sigl an.

 

Das Wirtschaftsressort des Landes OÖ und die drei Partner Grein, Enns und Schärding investieren gemeinsam 60.000 Euro in die Studie und das Projekt "Small Towns", das auf eineinhalb Jahre angelegt ist.

 

Ortskerne sterben aus, Peripherie wächst

Initiativen zur Ortskernbelebung in Dorf- und Stadtentwicklung

_____________________________________________________________________________________________________________________

 

Die Ausgangslage ist in vielen kleinen und großen Gemeinden gleich: Immer weniger Lichter gehen bei Einfall der Dunkelheit in den Zentren kleinerer Städte an. Die Ursachen: eine dramatisch fallende Zahl an Menschen lebt in den Altstadthäusern, viele Geschäfte in den Innenstädten stehen leer. Es ist nicht mehr zu übersehen, dass das einst starke Herz oberösterreichischer Kleinstädte schwächelt: Das meist kulturhistorisch wertvolle bauliche Erbe hat in vielen Fällen seine Funktion als Wohn- und Arbeitsort großer Familien eingebüßt. Die Nahversorgung ist nicht mehr auf kurzem Weg sichergestellt. Die Immobilien verzeichnen einen Wertverlust, weil sie hinsichtlich Größe, Zuschnitt und Umfeld (Parkplatz, Garten) den Anforderungen heutiger Nachfrager oft nicht entsprechen. Auch die Auslagerung traditioneller innerstädtischer Funktionen an die Siedlungsränder hat Spuren des Niedergangs in den Stadtzentren nach sich gezogen.

 

Welche Möglichkeiten gibt es, um eine Revitalisierung oberösterreichischer Kleinstadtzentren anzuregen? Anhand von Enns, Grein und Schärding soll in einer Studie des Instituts für Raumplanung und Ländliche Neuordnung der Universität für Bodenkultur Wien untersucht werden, wie dem alten Gemäuer neues Leben eingehaucht werden kann. Antworten dafür gibt es nicht nur andern Orts, sondern auch schon da und dort in den Beispielstädten. Dieses Wissen soll nun erhoben, geordnet, ergänzt und als Leitfaden öffentlich zugänglich gemacht werden.

 

 

Grein, Enns, Schärding:

Ein Problem, drei unterschiedliche Ausgangslagen

_____________________________________________________________________________________________________________________

 

Die Stadt Enns liegt im oö. Zentralraum. Es wurden bereits viele Aktivitäten im Hinblick auf die Revitalisierung der Innenstadt gesetzt. Gaby Pils vom Stadtmarketing Enns ist hier bereits sehr erfolgreich als Stadtmanagerin tätig. Seit 2007 konnte sie über 40 neue Geschäfte für die Innenstadt gewinnen. Enns ist die erste österreichische Stadt, die der internationalen Vereinigung citta slow beigetreten ist, was sich als sehr positiv für die Stadtdynamik erweist. Dadurch ist Enns auch berechtigt, weitere österreichische beitrittswillige Städte zu zertifizieren. Trotz all den guten Voraussetzungen und Bemühungen weist Enns einen hohen Geschäfts- und Wohnungsleerstand in den Seitengassen auf. Viele Gebäude sind denkmalgeschützt, was einen Eingriff in die Bausubstanz schwierig oder unmöglich macht, auf jeden Fall jedoch Mehrkosten bei der Sanierung verursacht. Dadurch ergeben sich desolate Bausubstanzen und ein hoher Anteil an Substandardwohnungen. Eine weitere Herausforderung ist der Kaufkraftabfluss in den Zentralraum.

Markt Enns

 

 

Die Stadt Grein befindet sich in peripherer Lage mit strukturschwachem Umland, liegt jedoch sehr attraktiv an der Donau. Der Donauradwanderweg führt durch die Stadt. Die Gastronomie im Stadtkern hat jedoch mit dem Überleben zu kämpfen. Es ist schwierig, die Radtouristen auf den Hauptplatz zu „locken“. Zudem ist der Radtourismus nur saisonal. Ein Potenzial sind auch das Schloss mit diversen Kulturveranstaltungen sowie das älteste im Originalzustand erhaltene bürgerliche Theater Mitteleuropas. Der Gebäudeleerstand ist erheblich. Auch hier spielt unter anderem die Thematik des Denkmalschutzes eine Rolle. Viele Wohnungen und Geschäftslokale entsprechen nicht den gewünschten Standards. Es gibt bisher nur wenige Aktivitäten zur Revitalisierung der Innenstadt. Durch die angespannte Finanzsituation der Gemeinde wird der autonome Entscheidungsspielraum eingeengt.

 Greinplatz

Die Stadt Schärding als grenznahe Bezirksstadt mit entsprechender Infrastruktur befindet sich im Spannungsfeld übergeordneter Zentren. Die attraktive Lage bringt auch eine Überschwemmungsproblematik mit sich, die durch den derzeit errichteten Hochwasserschutz verbessert wird. Die Gemeindefläche der Stadt ist relativ klein. Es gibt einen großen historischen, zu einem wesentlichen Teil denkmalgeschützten Baubestand mit entsprechend hohen Leerständen, vor allem bei den Wohnungen. Die Wohnqualität in den langgestreckten Häusern entspricht nicht den heutigen Anforderungen und zieht auch Probleme bei der Nachnutzung nach sich. Das optisch reizvolle Erscheinungsbild lässt die Leerstandsproblematik nicht auf den ersten Blick erkennen. Viele (Tages)Touristen kommen nach Schärding. Die Gemeinde bringt hohes Engagement in die Thematik der Innenstadtbelebung ein.

SIlberzeile Schärding

 

Durch die Untersuchung von drei Städten mit unterschiedlichen Voraussetzungen bzw. unterschiedlichen Intensitäten und Geschwindigkeiten der Transformationsprozesse wird ein breites Spektrum an Handlungsoptionen abgebildet, wodurch Erkenntnisse für Städte in verschiedenen Situationen gewonnen werden können.

 

 

25 Jahre Dorf- und Stadtentwicklung in OÖ

Intensive Bürger/innen-Beteiligung als Erfolgsrezept

_____________________________________________________________________________________________________________________

 

In Oberösterreich gibt es seit 25 Jahren das Programm Dorf- & Stadtentwicklung, bei dem sehr viel Wert auf die Einbeziehung der Bürger gelegt wird. In der Anfangsphase standen Ortsplatzgestaltungen im Mittelpunkt. In den letzten Jahren hat sich der Schwerpunkt auf die Belebung der Ortskerne konzentriert. Die intensive Bürgerbeteiligung hat sich hier als besondere Stärke, vor allem durch die Aktivitäten der Dorf- & Stadtentwicklungsvereine, erwiesen.  Eine Ortskernbelebung ist nur mit den Bewohnern/innen möglich, Bewusstseinsbildung ist das Um und Auf. Die Einbeziehung der Menschen in die Planungsprozesse bringt eine starke Identifizierung mit den Projekten, wie viele Beispiele zeigen: Die Bretterbühne in Neumarkt im Mühlkreis, die umfassende Erneuerung in Hagenberg oder das Dorfwirtshaus in Elz, in der Marktgemeinde Lasberg.

 

Die Verlagerung der Nahversorgung vom Zentrum an die Peripherie oder gar in den nächst größeren zentralen Ort ist allgemein bekannt. Der Einkaufsmarkt an der Umfahrung, das Schließen des Postamtes oder das Zusperren des Wirtshauses sind in vielen Orten zu einem Problem geworden. Dazu kommen viele leerstehende oder untergenutzte Wohnungen in den Zentren. Ohne ausreichende Nutzung der meist historisch bedeutenden Gebäude in den Ortskernen besteht die Gefahr, dass diese verfallen, da die Erhaltung nicht mehr erwirtschaftet werden kann. Abgesehen vom ideellen Verlust gehen mit Infrastruktur bestens versorgte Objekte verloren.

 

Um das Thema auch aus wissenschaftlicher Sicht zu beleuchten, wurde diese Studie an das Institut für Raumplanung und Ländliche Neuordnung der Universität für Bodenkultur in Wien vergeben. Die Erhaltung der historischen Substanz wird nur dann auf Dauer gesichert sein, wenn es gelingt, ausreichende Nutzungen für die Zentren zu finden und diese mit neuem Leben zu erfüllen. Ziel soll kein Museum sein, sondern lebens- und liebenswerte Stadtkerne.