(Quelle:Land ) Clematis (Quelle: Land OÖ)

Grün im Dorf II - Gehölze

Der zweite Teil der Broschüre Grün im Dorf beinhaltet vor allem das öffentliche Grün und die Grünelemente, die schon durch ihre Größe für das Dorfbild besonders wirksam sind, also die Gehölze.

Den Friedhof am Rand des Dorfes gibt es erst seit Josef II. Er hat aus hygienischen Überlegungen in den größeren Orten angeordnet, den Kirchhof von der Kirche weg an den Ortsrand zu verlegen.

Die Kirchhofmauern blieben meist erhalten und wurden manchmal erst bei Straßenbauten oder Ortsplatzgestaltungen in unserem Jahrhundert abgetragen. Der Charakter des Ortsraumes wurde dadurch wesentlich verändert. Heute werden diese Mauern als ortsbildprägendes Element geschätzt. Auch ökologisch sind sie interessant, da sie vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bieten.

In vielen Orten besitzt der Friedhof eine wichtige Bedeutung als öffentliche Grünfläche. Er ist nicht nur der Begräbnisplatz sondern auch der Ort der Begegnung für die Lebenden, die die Gräber besuchen.

Die Friedhöfe sind geprägt durch vier Elemente:

  • die Gräber
  • die Grabbepflanzungen
  • die öffentlichen Grünanlagen
  • die baulichen Anlagen wie Wege, Aufbahrungshalle, Friedhofsmauer

Bäume sind ein wichtiger Bestandteil in der Gestaltung. Da es problematisch ist, Bäume in der Nähe der Gräber zu pflanzen, müssten schon in der Anlage der Friedhöfe Flächen frei gehalten werden, bei denen durch Grablegungen der Wurzelbereich nicht beschädigt wird.

Wege sollten am besten geschottert, nicht durchgehend versiegelt werden.

Traditionelle Friedhofspflanzen

Immergrüne Pflanzen waren schon bei den Römern Symbole des ewigen Lebens. Südliche Friedhöfe sind von weitem durch die schlanken Zypressen erkennbar. Bei uns finden sich manchmal Thujen oder Scheinzypressen, die einen ähnlichen Habitus aufweisen. Der Efeu hat eine diametrale Symbolfunktion. Die immergrünen Blätter sind ein Symbol des Lebens, die giftigen Beeren ein Symbol des Todes. Im Urchristentum wurden die Toten auf Efeu gebettet.

Efeu ist bis heute auf Friedhöfen eine beliebte Kletterpflanze. Weitere verbreitete immergrüne Pflanzen in Friedhöfen sind der Buchsbaum, die Eibe und vereinzelt Stechpalmensorten.

Der Rosmarin hieß im Mittelalter "Gedenkemein". Wegen der mangelnden Winterhärte hat er sich in Mitteleuropa nicht für die Grabbepflanzung gehalten. Nur als Kübelpflanze kann er bei uns gesichert überwintern.

In den einzelnen Kulturkreisen sind recht unterschiedliche Toten- und Friedhofspflanzen entstanden. In islamischen Ländern ist häufig eine weiß blühende Iris (Iris albicans) auf Friedhöfen zu finden. Bei uns ist sie recht selten im Gegensatz zur nahe verwandten lilablauen Iris (Iris germanica), die in vielen Bauerngärten kultiviert wird. Auf Grund der griechischen Mythologie ist in Griechenland der Krokus eine beliebte Grabpflanze.

Straßendörfer stammen aus der Zeit nach 1000 n. Chr. Im 12. und 13. Jahrhundert wurden sie in der Form der Gewannflur angelegt.

Das Hauptverbreitungsgebiet liegt im Osten Österreichs und in Oberösterreich, vor allem im Mühlviertel.

Aber auch in vielen Haufendörfern haben sich im Lauf der Zeit Straßenzüge als Hauptstraßen herausgebildet.

Mit dem wachsenden Verkehrsaufkommen wurden die einst schmalen Straßen verbreitert. Bäume und Vorgärten standen im Weg und mussten den Verkehrsflächen weichen.

Durch Umfahrungsstraßen besteht heute die Möglichkeit des Rückbaus, Grün in das Zentrum zu bringen und damit das Dorf für die Bewohner lebenswerten zu machen.

Angerdörfer gibt es fast nur im Mühlviertel. Südlich der Donau sind sie sehr selten zu finden.

Charakteristisch ist die große Grünfläche in der Mitte des Ortes, die ringförmig von Bebauung umgeben ist. Angerdörfer sind zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert angelegt worden. Nur in einigen Orten ist der Anger in seiner ursprünglichen Anlage erhalten geblieben. Meistens wurde der Anger durch Einbauten verkleinert oder es wurden Teile des einstigen Grüns befestigt und für Parkplätze verwendet.

Bilder aus der Zeit um die Jahrhundertwende zeigen romantische Dorfansichten mit schmalen, geschotterten Straßen und unbefestigten Plätzen. Diese scheinbare Idylle kann nicht auf unsere Zeit übertragen werden, da sich die Bedürfnisse und Rahmenbedingungen stark geändert haben.

Früher sind die Plätze und Straßen ohne viel Gestaltungsabsicht entstanden. Heute brauchen wir Pläne und Planer. An das Großgrün wird meistens gedacht, an das genauso wichtige Kleingrün jedoch selten, an das Grün zwischen den Pflastersteinen, das Grün zwischen Wegen und Mauern. Asphaltierung, Betonierung und in Beton verlegte Pflasterung vernichten den Lebensraum für die Spontanvegetation und Ruderalflora an Wegen, in Höfen und um Gebäuden.

Die nicht befestigten Restflächen werden als Rasen oder Zierrabatte angelegt, also auch kein Lebensraum für die traditionelle Flora und Fauna der Dörfer.

Der KFZ Verkehr benötigt heute Abstellflächen in Größenordnungen, die im alten Dorf unbekannt waren. Die Parkplätze dominieren daher viele Ortsplätze. Das Auto hat den Mensch verdrängt. Durch entsprechende Gestaltung könnte manches gemildert werden.

Die Form des Dorfplatzes ist für viele Orte charakteristisch. Die kleineren Orte wurden meistens als Haufendörfer ohne geplanten Dorfplatz angelegt.

Erst durch die Verlegung der Kirchhöfe (Friedhöfe) entstanden größere Freiflächen im Zentrum. Die traditionellen Märkte und Städte dagegen hatten geplante Plätze.

 

Eine Landschaft wird dann als besonders schön empfunden, wenn das Relief abwechslungsreich und mit Flurgehölzen durchsetzt ist. Die Flurgehölze sind Elemente der Kulturlandschaft. Besonders spürbar war dies in den Jahren der Mechanisierung der Landwirtschaft, als die klein strukturierte Landschaft der maschinellen Produktion zu einem Hindernis wurde. Hecken, Gebüschgruppen, Alleen und Einzelbäume wurden gerodet, die Landschaft ausgeräumt. In der mechanisierten Landwirtschaft konnten nur in sehr wenigen Fällen Feldhecken überleben.

Hecken in der Siedlung 

Hecken bieten Sichtschutz, halten Staub und Lärm ab. Geschnittene Hecken benötigen einen hohen Pflegeaufwand im Gegensatz zu den ungeschnittenen Hecken. Diese haben dagegen einen höheren Platzbedarf. Man sollte sich schon vor der Anlage erkundigen, wie hoch und breit eine Hecke wird, wenn sie ausgewachsen ist, um sich später einen aufwendigen Schnitt zu ersparen. Auch ist darauf zu achten, dass ein schmaler Vorgarten durch eine große Hecke erdrückt werden kann.

In den vergangenen Jahrzehnten war die Thuje die beliebteste Heckenpflanze. Mit den Eigenschaften immergrün, leicht zu schneiden, Platz sparend und preisgünstig lag sie im Trend der Zeit.

Heute wird die Thuje wesentlich kritischer gesehen. Sie hat für die heimische Fauna wenig Bedeutung. Ihr immer gleiches Aussehen erlaubt nicht die Erlebbarkeit des Wechsels der Jahreszeiten, sie wirkt monoton und steril. Eine Hecke muss nicht unbedingt aus einer Pflanzenart aufgebaut sein. Gemischte Hecken wirken naturnäher, sind abwechslungsreicher und daher ökologisch wertvoller, vor allem wenn heimische Pflanzen verwendet werden. Mit ihren Früchten, Blüten und Blättern geben sie den wild lebenden Tieren Nahrung. Bedornte und dicht wachsende Sträucher bieten Unterschlupf, Versteck und Nistmöglichkeiten. Durch Rückschnitt kann ein dichter Wuchs erzielt werden. In Astquirlen können die Vögel ihre Nester bauen.

Blütenhecken 

In einer Blütenhecke können neben heimischen Gehölzen auch Gartenformen oder ausländische Sträucher verwendet werden, denn blütenbesuchende Insekten unterscheiden in der Regel nicht zwischen heimischen und fremdländischen Blütenpflanzen.

Beliebte heimische Heckensträucher

  • Dirndlstrauch (Cornus mas)
  • Schneeball (Viburnum opulus)
  • Wolliger Schneeball (Viburnum lantana) – immergrün wärmeliebend
  • Rosen (Rosa – mehrere Arten) undurchdringliche Hecken
  • Felsenbirne (Amelanchier ovalis)
  • Holunder (sambucus – mehrere Arten)
  • Weißdorn (Crataegus – mehrere Arten)
  • Liguster
  • Pfaffenkappl (Euonymus europäus)
  • Sanddorn (Hippophae rhamnoides)
  • Weiden (Salix – mehrere Arten)
  • Hasel (Corylus avallana)
  • Schlehe (Prunus spinosa)
  • Heckenkirsche (Lonicera xylosteum)
  • Nicht heimische Sträucher
  • Deutzie
  • Falscher Jasmin (Philadelphus)
  • Forsythie
  • Weigelie
  • Spieren
  • Feuerdorn (Pyracantha)
  • Goldregen (Laburnus)
  • Rosen
  • Hartriegel (Cornus)
  • japanische Quitte (Chaenomeles)
  • Flieder (Syringa)
  • Buddleja
  • Immergrüne Sträucher
  • Buchs – langsam wachsend
  • Eibe
  • Thuje
  • Fichte (verkahlt im unteren Bereich leicht)
  • Wolliger Schneeball (Viburnum lantana) – wärmeliebend
  • Die Hainbuch ist zwar nicht immergrün, behält aber das verdörrte Laub sehr lange.

Sträucher für geschnittene Hecken

  • Liguster,
  • Flieder,
  • Buche,
  • Buchs,
  • japanische Quitte,
  • Hartriegel,
  • Eibe,
  • Hainbuche,
  • Kornelkirsche,
  • Berberitze

Sträucher für hohe, geschnittene Hecken

  • Feldahorn,
  • Winterlinde,
  • Rotbuche

Flieder 

Der Flieder ist durch seinen intensiven Duft und die herrliche Blüte zu einem der bekanntesten Blütengehölze geworden. Er ist erst in der Türkenzeit zu uns gekommen. Sein Name dagegen ist alt. Er kommt von der früheren Bezeichnung des Holunders, der auch Flieder heißt. In Norddeutschland wird heute noch der Holunder so bezeichnet.

Am Flieder sieht man sehr gut die Problematik der verallgemeinernden Kritik an den ausländischen Gewächsen. Konsequenterweise müsste auch der Flieder geächtet werden. Zum Glück ist er schon so lange in der Gartenkultur, dass seine exotische Herkunft kaum mehr bekannte ist.

Viele der alten Fliedersorten sind bereits sehr selten und vom Aussterben bedroht. In Reichenstein ist eine Genbank zur Erhaltung der historischen Fliedersorten geplant.

Wildrosen

Wildrosen sind züchterisch nicht veränderte Rosenarten. Leider sind einige Wildarten in Oberösterreich bereits ausgestorben, manche stark bedroht. Die Hundsrose ist noch relativ häufig. Wildrosen sind für naturnahe Gartengestaltung sehr gut geeignet. Auch einige Asiatische und amerikanische Wildrosen werden in Gärten kultiviert. Der Zierwert der Wildrosen beschränkt sich nicht nur auf die Blüte, sondern liegt auch im Fruchtschmuck oder in der Form der Bestachelung (Stacheldrahtrose). Manche Rosen haben sogar duftende Laubblätter, so duften z.B. die Blätter der heimischen Weinrose nach Apfel, andere wie die Blätter der asiatischen Rosa primulina nach Weihrauch.

Auch bei einigen Wildrosen sind Formen mit gefüllten Blüten entstanden. von der sehr frostharten und robusten Bibernellrose sind im vorigen Jahrhundert viele gefüllte Formen und verschiedene Farben gezüchtet worden.

Weitere Beispiele sind Rosa venusta pendula, eine gefüllte form der rosa arvensis oder die Rosa villosa duplex, um nur einige zu nennen.

Sie alle sind nur mehr selten in Gärten und Baumschulen zu finden.

Den Rosen soll ein eigener Abschnitt gewidmet werden. Sie hatten immer eine besondere Stellung. Die Dichterin Sapho gab der Rose den Titel "Königin der Blumen". Im Capitulare wird sie als erste Pflanze aufgezählt. Auf den bemalten Bauernkästen und Truhen wurde sie häufig als Motiv verwendet. Die Möbelmaler hatten natürlich nicht die modernen Rosen mit den spitzen, knospenförmigen Blüten als Vorbild. Sie malten die Rosen als eine dicht gefüllte Kugel. So sehen die alten Centifolien und Damaszenerrosen aus.

Die historischen Rosen sind zurückgedrängt worden, da aus asiatischen Rosen öfter blühende Sorten gezüchtet wurden. Die alten Rosen blühen nur einmal, dafür aber mit einem einzigartigen duft.

Weitere historische Rosen sind die Gallica (Essig-) Rosen mit ihrem intensiven Rot. die bekannteste ist die Apothekerrose, die den Duft in den getrockneten Blütenblättern sehr lange beibehält oder die besonders frostresistenten Bibernellrosen, die sehr früh blühen. Ab und zu sieht man noch in rauen Lagen eine gefüllte weiße Bibernellrose oder die ebenfalls sehr frostharten Alba-Rosen.

In den letzten Jahren sind die alten Rosen wieder beliebter geworden. Eigenschaften wie Duft und die Blütenform der historischen Rosen haben bei den Rosenfreunden wieder an Wert gewonnen. Vor allem englische Rosenzüchter wie Austin haben diesen Trend früh erkannt und neue Rosen gezüchtet, die aussehen wie die historischen Rosen, aber öfter blühen.

Der Weinbau spielte im Mittelalter in Oberösterreich eine bedeutende Rolle. Heute erinnern daran nur mehr Archive, Ortsnamen und vereinzelt Weinspaliere an Bauernhöfen. Der letzte Weingarten wurde in Aschach an der Donau 1920 gerodet. Es gab mehrere Ursachen für den Rückgang, wie Klimaverschlechterung, sinkender Weinpreis und die Einschleppung der Reblaus, gegen die die alten europäischen Sorten keine Chance hatten.

Nur am Weinspalier haben Reben überlebt. Der Bestand ist gebietsweise noch sehr groß. Die Sortenkenntnis ist jedoch völlig verschwunden. Nur mehr die Ottensheimer Perle trägt einen Namen.

Es wird versucht, die Sortenvielfalt in Genbanken zu erhalten. Derzeit sind Genbanken in Aspach, Tragwein, Linz und in Ranshofen im Aufbau.

Es handelt sich um Primitiv- oder Wildformen des heutigen Speiseobstes. Die Früchte sind eine begehrte Nahrung für die heimische Tierwelt, haben aber auch als Speiseobst Qualität.

Es gibt eine Vielzahl interessanter Formen:

  • Kulturschlehe,
  • Mirabellen,
  • Primitivpflaumen,
  • Wildapfel,
  • Wildbirne,
  • Wildkirsche,
  • Weichsel,
  • Mispel,
  • Eberesche,
  • Dirndlstrauch.

Der Holler – wie der Holunder in den meisten Regionen Oberösterreichs genannt wird – hat eine lange Tradition als Nahrungs-, Kult- und auch Heilpflanze. Er wird selten gepflanzt, da die Vögel ohnehin durch die Ausbreitung der Samen für reichliche Aussaat sorgen. Auch für die Gartengestaltung ist er geeignet, da er einen besonderen Zierwert während der Blüte und Fruchtreife besitzt. Nährstoffreiche Flächen sind gute Standorte für den Holler. Es würde allein die ökologische Bedeutung der Blüten und Beeren für die Tierwelt genügen, einen Holunder am Haus zu haben.

  • Kirschen: Trotz des Rückgangs der wirtschaftlichen Bedeutung der Kirsche sind die mächtigen Kirschbäume in einigen Gegenden, wie z.B. in der Gemeinde Scharten noch ein sehr landschaftsprägendes Element.
  • Zwetschkenbäume sind in fast jedem bäuerlichen Obstgarten zu finden. Meist werden Hauszwetschken, italienische-, Wangenheimer Zwetschke, Mirabellen oder Ringlotten gepflanzt.
  • Walnüsse sind frostempfindlich. Es gibt einige Sorten mit kleinen Früchten, die frosthärter sind. Es wäre denkbar, dass es sich dabei um Abkömmlinge heimischer Vorkommen von Wildbeständen handelt. Es ist aber nicht gesichert, ob es überhaupt heimische Walnüsse gegeben hat.
    Vereinzelt sind Formen, bei denen die Kerne rote Häute haben: die Donaunüsse.
  • Quitten und Mispeln (Asperl) spielen im Sortiment kaum eine Rolle.
  • Marillen und Pfirsiche werden meistens am Spalier gezogen, sonst sind sie nur für Gunstlagen geeignet.
  • Edelkastanien (Maroni): Um den Attersee gibt es verwilderte Bestände. Auch im Raum Kirchdorf war ein Bestand vorhanden.

Bei den Primitivpflaumen gibt es besonders viele Formen wie die Ziparten ( Ziberl), Kriechen, Spilling, Pfluder, Roßbauken, Ringlotten, Pemsen oder den Zwispitz. Im Gegensatz zu den Edelpflaumen wie die Hauszwetschke ist bei den primitiven Formen das Fleisch nicht oder nur schwer vom Kern löslich. Dies ist auch der Grund, warum diese Pflaumen verschwunden sind. Der Geschmack ist ausgezeichnet. Heute werden sie nur mehr zum Brennen oder für Marmelade verwendet.

Die Sortennamen werden oft verwechselt, da sie schwer zu unterscheiden sind.  Oft werden unter ihren Namen auch Formen der Kirschpflaume fälschlich bezeichnet, da die Kirschpflaume eine sehr breite Palette an Farben der Früchte besitzt. Die Früchte der  Kirschpflaumen  ist oft minderwertig, wässrig oder fad aber es gibt auch sehr gut schmeckende Formen.

Ein gutes Bestimmungsmerkmal für die Primitivpflaumen ist der Steinkern. Werneck hat eine Darstellung dieser Kerne publiziert, die die meisten Formen aus Oberösterreich umfasst.

Die Kultur der Mostbirnbäume hat sich im Gegensatz zu anderen Regionen Europas in Oberösterreich bis heute erhalten. Sieprägen durch ihre Größe die Landschaft. Manche Sorten bilden riesige Bäume aus, sodass sie wie die Hoanlbirn fast wie eine Eiche aussehen können. Es gibt sehr viele Sorten, da auch viele Sämlinge entstanden sind, die keinen Namen tragen. Leider wurden in den letzten Jahren nur mehr selten Mostobstbäume gepflanzt. Wenn dies geschehen ist, hat man überwiegend die Steirische Weinmostbirne gesetzt, die auf den Feuerbrand sehr anfällig sind.

Speisebirnen waren bei uns nie so verbreitet wie die Speiseäpfel. Dies ist teilweise klimatisch bedingt, da Speisebirnen ein wärmeres Klima brauchen. In manchen Lagen Oberösterreichs kann man sie nur als Spalierbaum kultivieren, da am Spalier das Kleinklima viel besser ist.

Es werden einige typische und einst weit verbreitete Sorten Oberösterreichs angeführt.

Lederapfel, Lederer, Rauapfel oder ähnlich klingende Bezeichnungen für rauschalige Äpfel. Die Lederäpfel gehören zu den Graurenetten. Der Name dieser alten Sorte ist noch recht bekannt, es wird aber nicht näher unterschieden. So wird auch der relativ junge Boskoop auch als Lederapfel bezeichnet. Dieser ist im Gegensatz zu den "echten" Lederäpfeln noch stark verbreitet. Das Foto zeigt einen echten Lederapfel aus dem Mittelalter, die Graue Französische Renette. 

 Die Frucht neigt bei allen Lederäpfeln nach längerer Lagerung zum Welken. 

Weingartling auch Beingartling genannt – eine lokale Sorte Ober- und Niederösterreichs, hat heute nur mehr die Bedeutung eines Mostobstes und ist kaum mehr zu finden bzw wird nicht mehr als solcher erkannt.

Rote Sternrenette (Weihnachtsapfel), der wegen der sternförmigen Punkte auf der roten Schale als Zierapfel für den Christbaum beliebt war. Das Fleisch ist leicht gerötet. 

Maschansker, eine sehr alte steirische Gebietssorte, deren Name bei uns sehr geläufig ist. Die echte Form ist jedoch selten zu finden, meistens werden gelbe kleinfrüchtige Äpfel, wie die Taffetäpfel mit dem Maschanzker verwechselt.

Rambure – Diese durch ihre Größe leicht erkennbaren Äpfel kommen in vielen Formen vor. Verbreitet ist der Rheinische Winterrambur, Wöbers Rambur und Herbstrambur. Seltener zu finden sind die Eisenrenette, Braunauer Rambur, Breitarsch oder Kardinal.

Jakob Lebel – gebietsweise als Schmierling wegen der fetten Schale bezeichnet. Diese Sorte wurde im vorigen Jahrhundert gezüchtet. Sie ist besonders in höheren Lagen verbreitet.

Schlotteräpfel haben ein sehr großes Kerngehäuse. Wird der Apfel geschüttelt, rasseln die Kerne. Es gibt mehrere Arten – wie Schafsnasen, Roller und Fasslapfel.

Croncels und Gravensteiner: Diese anspruchslosen Herbstäpfel gedeihen im Mühlviertel recht gut. In Höhenlagen bilden sie das beste Aroma aus. Beide sind noch recht verbreitet.

Danzinger Kantapfel, eine alte Sorte, die manchmal mit dem ähnlichen Rotpassamaner verwechselt wird. Dieser ist aber eine eigene Sorte. Der Kantapfel ist charakterisiert durch die fünf kräftigen Rippen und er dunkelroten, fettigen Schale. Das Fleisch ist leicht rötlich. Ähnlich ist der Rote Herbstkalvill dessen Fleisch aber intensiver gerötet ist.

Spätblüher, wie der Siebenschläfer, der spät blühende Taffetapfel oder die Juniblüte haben, wie schon aus dem Namen abzuleiten ist , einen späten Blühtermin und zwar nach  den Eisheiligen.

Rote Eiserapfel, eine sehr alte Sorte, die sich durch die sehr lange Haltbarkeit auszeichnet. Sein regionaler Name Dreijahresapfel ist natürlich eine Übertreibung.

Viele der historischen Obstsorten sind heute nur mehr Pressobst wie der mittelalterliche Schalkammerling oder Abkampapfel.

Der  Mostzigeuner wurde zum Klären der Trübung des Mostes verwendet

Aus dem Capitulare wissen wir, dass schon um 800 n. Chr. der Obstbau eine große Rolle gespielt hat. Es werden mehrere Sorten angeführt – wie der Geroldinger, Crevedinger – die wir aber heute nicht mehr zuordnen können. Wahrscheinlich sind sie schon ausgestorben. Im Lauf der Jahrhunderte entstanden viele neue Obstsorten. Die Obstgärten der Klöster, Pfarrhöfe und Schulen waren Vorbilder für den dörflichen Obstbau. Von diesen aus wurden neue Sorten verbreitet und die Kunst des Veredelns den Bauern übermittelt.

In vielen Dörfern springen heute die großen Schulgebäude ins Auge, da sie den dörflichen Maßstab sprengen. Auf alten Fotos dagegen wirken die Schulen keinesfalls störend, da durch Obstbäume auch die damals schon hohen Baukörper eingebunden wurden. Fast bei jeder Schule befanden sich größere Obstgärten, da das Obst ein Nebeneinkommen für den Schuldirektor bzw. Oberlehrer abgegeben hat.

Die Obstkultur war eine wichtige Sparte in unserer Landwirtschaft. Es galt im Mittelalter als eine der größten Strafen bei Kriegswirren, wenn die Obstbäume gerodet wurden. Abgebrannte Häuser konnten wieder aufgebaut werden, Obstbäume dagegen benötigen Jahre bis sie in vollen Ertrag kommen.

Sortenvielfalt  

Im19. Jahrhundert hatte die Züchtung neuer Obstsorten die große Blüte. Nicht nur in Deutschland und Österreich, auch in Frankreich und England entstanden hunderte neue Sorten. Es kam förmlich zu einer Schwemme an Sorten und zu einem durcheinander von Namen. Manche Sorte hatte 10 und mehr Bezeichnungen. Es wurde versucht, Systematiken zu erstellen, die aber immer wieder innerhalb kürzester Zeit überholt waren.

Oberösterreich hatte einige über die Grenzen hinaus bekannte Pomologen – wie der Braunauer Apotheker Liegel oder Schmidberger aus dem Stift St. Florian. Liegels Butterbirne und die Schmidberger Renette – der ehemalige Plankenapfel – erinnern an diese Pomologen.

In unserem Jahrhundert ist es zu einer deutlichen Verringerung dieser Sortenvielfalt gekommen. Eine der Ursachen lag in der Mechanisierung der Landwirtschaft. Die einst so geschätzten Obstbäume waren ein Hindernis für die maschinelle Bewirtschaftung geworden. Gleichzeitig kam es zu einem starken Rückgang der Beschäftigung in der Landwirtschaft und damit zu einer Reduzierung der hofeigenen Nachfrage nach Most und Speiseobst. Die traditionellen Obstsorten waren auf dem Markt nicht absetzbar, da für die Marktwirtschaft nur wenige, standardisierte Sorten von Interesse sind. Das industriell erzeugte Plantagenobst entsprach all diesen Anforderungen und konnte sehr kostengünstig angeboten werden. Der Markt für bäuerliches Speisobst war zusammengebrochen. Viele Obstbäume wurden gerodet.

Fast in letzter Minute wurden durch Obstausstellungen versucht, das Interesse an den alten Sorten zu wecken. In vielen Dorfentwicklungsgemeinden wurden Sortenschauen durchgeführt, um das Interesse an den alten Sorten zu wecken. Leider musste festgestellt werden, dass die Kenntnis der Sortennamen kaum mehr vorhanden ist.

Die Erhaltung der alten Sorten sind durch eine jahrhundertlange Kultur an unser Klima angepasst und widerstehen daher selbst extremen Klimabedingungen.

Die neueren Sorten haben heute oft einen schlechten Ruf, dass sie nicht widerstandsfähig wären und einen hohen Chemieeinsatz benötigen würden. Viele der heutigen Marktsorten werden als junge Sorten angesehen, tatsächlich stammen sie – wie z.B. der Golden Delicious aus dem vorigen Jahrhundert. In jüngster Zeit gibt es Bemühungen, durch Resistenzzüchtung Sorten zu erhalten, die gegen Krankheiten widerstandsfähig sind. Es gibt bereits einige Erfolge. Inwieweit diese Resistenz aber auf Dauer anhält, wird die Zukunft zeigen.

Von den vielen alten Sorten können nur einige aufgezählt werden, da sonst der vorgesehene Umfang dieser Broschüre gesprengt würde.

Bäume galten als heilig. Daher kommt es nicht von ungefähr, dass sie bei Kleindenkmälern gepflanzt wurden.

Wir haben heute zwar nicht mehr den religiösen Bezug zu Bäumen. Der ist schon vor Jahrhunderten verloren gegangen. Die Verbindung Baum – Kleindenkmal ist aber noch immer vorhanden. Ein kleines Wegkreuz, ein bescheidener Bildstock, können in Verbindung mit einem mächtigen Baum zu einer landschaftlichen Dominante werden, die weithin sichtbar ist.

Selbst der Baum für sich kann zum religiösen Kleindenkmal werden, wenn Votivtafeln direkt an seinem Stamm genagelt werden. Hier ist die Verbindung zum Baumkult noch am greifbarsten.

Die so genannten Exoten werden häufig kritisiert. Es ist aber eine Tatsache, dass vom Menschen seit Jahrtausenden Pflanzen aus anderen Regionen eingeführt wurden.

Im Vergleich zu ähnlichen Klimazonen Amerikas und Ostasiens ist die mitteleuropäische Baum- und Strauchflora sehr artenarm. In Mitteleuropa haben weniger als 50 Baumarten die letzte Eiszeit überlebt, da durch die Ost-West Orientierung der Gebirge ein Ausweichen der Flora in den Süden nur schwer möglich war. In Nordamerika und Ostasien dagegen verlaufen die Hauptgebirgszüge in die Nord-Süd Richtung. Hier konnte sich eine große Zahl an Arten in den Süden zurückziehen und die Eiszeiten in wärmeren Gebieten überdauern.

Bei vielen Pflanzen ist es uns heute gar nicht mehr bewusst, dass sie eingebürgert wurden wie die meisten Obstbäume, Kastanie oder Flieder. 

Es ist daher verständlich, dass sei Generationen aus diesen artenreichen Räumen Pflanzen nach Mitteleuropa eingeführt wurden. Neben dem Reiz des Neuen hatten viele dieser Pflanzen den "Vorteil", dass sie großteils von der mitteleuropäischen Tierwelt nicht als Futterpflanzen angenommen werden, also weitgehend frei von Schädlingen sind.

Die Kehrseite jedoch ist, dass die fremdländischen Gehölze für die heimische Tierwelt wenig Bedeutung besitzen. Die meisten Tierarten – wie z.B. die Schmetterlingsraupen – sind stark auf bestimmte Futterpflanzen fixiert. Wenn es aber einem Schädling gelingt, " nachzufolgen", so hat dieser kaum Feinde und kann sich zügellos ausbreiten, wie es in den letzten Jahren bei der Kastanienminimiermotte der Fall war. 

Gärten waren immer Modetrends unterworfen, die streng geschnittenen Gärten des Barock waren völlig anders als die späteren Landschaftsgärten oder die Gärten des Biedermeiers. Jede Zeit hatte ihre Modepflanzen wie z.B. die Blaufichte in der Villenarchitektur, die Glycine im Jugendstil oder die Koniferen, Forsythien und Cotoneaster in den 60er Jahren. Diese Modepflanzen verlieren mit der Zeit den Reiz des Neuen und des Besonderen, wenn sie in jedem Garten stehen.

In diesem Wunsch nach Besonderheit liegt wahrscheinlich einer der Gründe für den Trend zum Naturgarten, nachdem so manche heimische Wildpflanze selten geworden ist und als bedrohte Besonderheit auf roten Listen registriert wird. Heute ist eine Schlehe oder ein Dirndlstrauch in der Landschaft zur Seltenheit geworden. Der Naturgarten wird zum Refugium bedrohter Arten. Inwieweit er diesen Anspruch tatsächlich erfüllen kann, ist aber sehr fragwürdig, da die notwendige genetische Vielfalt auf eng begrenztem Raum nicht erhalten werden kann. Es besteht sogar bei einem Zukauf fremder Rassen aus dem Handel die Gefahr, dass sich diese mit den bodenständigen Rassen kreuzen und damit die heimische Art gefährden. Ein bekanntes Beispiel ist die Wildbirne, die echt kaum mehr zu finden ist, da sie leicht mit den veredelten Birnensorten bastardisiert.

Kastanien, Nussbäume und Linden sind typische Bäume für Gastgärten. Es erscheint sonderbar, dass gerade fremdländische Bäume – wie die Kastanie oder die Walnuss – häufig verwendet wurden. Dies hat natürliche Gründe. Fremdländische Bäume ziehen kaum Insekten an, da diese die Exoten nicht als Futterpflanzen erkennen. Der Nussbaum hat zusätzlich die Eigenschaft durch seinen Geruch Mücken abzuhalten.

Eines haben alle großen Laubbäume gemeinsam: sie spenden Schatten und schaffen durch die Verdunstung ein angenehmes Kleinklima, das kühler und feuchter ist als in den umliegenden Flächen, also ein idealer Platz für heiße Sommerabende.

Eine   Allee, die zu einem Schloss, einem Dorf oder einem Gehöft führt, betont die Bedeutung dieses Anwesens oder dieser Siedlung, wie z.B. die Eichenallee in Klam. die Lindenalleen in WIndischgarsten, Aschach an der Donau oder in Hipping, die Birkenallee entlang der Fernstraße in Wels und in Riedau oder die Kastanienallee in Raab.  

Bäume besitzen allein durch ihre Größe einen entscheidenden Einfluss auf das Ortsbild. Sie wurden daher als Hausbaum, im öffentlichen Raum als Dorfbaum oder als Alleebäume entlang von Straßen gepflanzt.

Die Beliebtheit von der Linde als Dorfbaum könnte in den alten Mythen ihre Wurzeln haben, sie könnte aber auch dadurch erklärt werden, dass es sich bei diesem Baum um einen der mächtigsten heimischen Laubbäume handelt.

Besondere wirtschaftliche Bedeutung hatten in Oberösterreich die Obstbäume. Die Dörfer waren in einem dichten Schirm von Obstbäumen, die am Rand der Dörfer gepflanzt wurden, eingebettet.

Der Hausbaum

Der Hausbaum war der Baum, der vor dem Haupteingang als Wind- und Wetterschutz gepflanzt wurde. Hohe Bäume wirkten zudem als Blitzableiter, die den Blitz vom Haus weg auf sich ziehen sollten.

Laubbäume zeigen den Verlauf der Vegetation vom Blattaustrieb bis zum Laubfall und bieten damit eine abwechslungsreiche Gestaltungsmöglichkeit. Und sie stellen im Gegensatz zu den immergrünen Koniferen eine natürliche Klimaanlage dar, die im Sommer Schatten spendet, im Winter dagegen die Sonne durchlässt. Durch die Verdunstung erzeugen Bäume ein Kleinklima, das kühler und feuchter ist, als auf einer baumlosen Fläche. Sie schaffen ideale Räume zum Verweilen an Sommerabenden. Der mit Bäumen bepflanzte Platz vor dem Eingang war daher prädestiniert für einen Sitzplatz. Kombiniert mit einer Hausbank ist er zu einem beliebten Treffpunkt der Dorfbewohner geworden. Hier kann man mit den Nachbarn reden und das Geschehen auf der Dorfstraße beobachten.

Traditionelle Hausbäume waren bei größeren Gehöften und Gutshöfen mächtige Laubbäume, wie z.B. Linden, Eichen oder Eschen. Seit dem vorigen Jahrhundert waren auch Kastanien beliebt, die aus Südosteuropa eingeführt wurden.

Beschränkt auf den südlichen Teil Oberösterreichs finden sich Eibe, Buchsbaum und der Schrattl (Stechpalme) als Hausbaum. Vereinzelt wurde auch die Thuje, die trockenheitsverträgliche Robinie, die Birke oder Ulme als Hausbaum gepflanzt. Nadelbäume wurden selten verwendet. Nur die "Blaufichte" war zeitweise ein Modebaum, vor allem in der Villenarchitektur der Jahrhundertwende und in den frühen 60-er Jahren.

Seltener findet sich die Pyramidenpappel, die in der Zeit Napoleons aber auch in der NS-Zeit recht beliebt war.

Bei kleineren Höfen und Kleinlandwirtschaften wurden Obstbäume als Hausbäume gesetzt. Sie hatten den zusätzlichen Vorteil der wirtschaftlichen Nutzung des Obstes und des Holzes, das bis ins Biedermeier ein beliebtes Möbelholz war.

Lebens- und Hochzeitsbaum

Der frühere Brauch bei der Geburt eines Kindes einen Baum als Lebensbaum zu pflanzen und zwar einen Apfel- oder Birnbaum, je nach dem Geschlecht eines Kindes, verlieh diesen Bäumen eine besondere Wertschätzung. In sie wurde sogar die Funktion eines Schicksalbaumes hineininterpretiert.

Auch bei Hochzeiten gab und gibt es gebietsweise den Brauch, dass das Brautpaar einen Baum gemeinsam pflanzt.

Die Dorflinde

Auf dem Dorfplatz, bei der Kirche, im Friedhof oder bei Kleindenkmälern wurden nur wenige Baumarten gepflanzt. Am beliebtesten war die Linde.

Die meisten dieser Dorfbäume hatten kultische Traditionen, die weit in vorchristliche Zeiten zurückgreifen. Besonders mächtige Bäume wurden als Sitz der Götter oder der Seelen der Ahnen betrachtet.

Die kultische Bedeutung der einst heiligen Bäume blieb im Volk erhalten und wurde in Sagen weitergegeben. In manch christlichen Legenden schimmert der alte Baumkult noch immer durch. Auch der Maibaum hat vorchristliche Wurzeln.

Die Linde war der Aphrodite, der Venus, der Frigga – also den jeweiligen Liebes- und Fruchtbarkeitsgöttinnen der Griechen, Römer und Germanen geweiht – ein zutiefst weiblicher Baum. Unter den Linden wurde gefeiert, Volksversammlungen abgehalten und getanzt (Lindentanz).

Die Germanen hielten unter Linden Gerichtsverhandlungen ab, da man überzeugt war, Freyas Baum würde die Wahrheit ans Licht bringen und ein gerechtes Urteil erwirken. Bis in die Neuzeit blieb die Linde Richtbaum.

Die Beliebtheit der Linde blieb über Jahrhundertes ungebrochen. So wurden zum Regierungsjubiläum von Kaiser Franz Josef in vielen Orten Kaiserlinden auf den Ortsplätzen gepflanzt. War im Zentrum kein geeigneter Platz, wurde die Kaiserlinde als Solitärbaum in die Landschaft gesetzt.

Die Eiche

Sie war entgegen dem grammatikalischen Geschlecht der männliche Baum in den Mythen. Sie war bei den Römern, Griechen und Germanen dem Donnergott (Jupiter, Zeus, Donar) geweiht. Der Grund dürfte die Tatsache gewesen sein, dass die tief wurzelnde Eiche vom Blitz öfter getroffen wird, als die flach wurzelnde Linde.

Die Gallier verehrten die Misteln, die auf Eichen wachsen. In heiligen Eichenhainen wurde die Mistel geschnitten, die in den keltischen Kulten eine besondere Bedeutung besaß.

Das Holz der Eiche hatte eine besondere wirtschaftliche Bedeutung. Das Holz ist hart und widerstandsfähig. Die Eicheln waren für die Schweinemast wichtig. Aus diesem Grund stehen Eichen häufig ohne Bezug zu einem Bauwerk oder Denkmal in der freien Landschaft.  Als Dorfbaum ist sie in Oberösterreich selten zu finden. Vor dem Eingang zum Schloss in Peuerbach steht eine mächtige Eiche, in Klam existiert eine Allee aus Eichen.

Die Esche

Die Esche Yggdrasil wird in der Edda als Weltenbaum genannt, der Himmel, Erde und Unterwelt miteinander verbindet. In Oberösterreich ist sie nur ausnahmsweise als Dorf- oder Hausbaum zu finden.  Eschen lieferten das Holz für Speere, für die Wagnerei, Werkzeugstiele und für die Schier.

Weiden

Durch die Begradigung von Bächen, Drainagierungen  und die Trockenlegung von Dorfteichen sind die Weidenbestände dezimiert worden.

Die Zweige einiger Weidenarten wurden schon in der Zeit der Jäger und Sammler als Binde- und Flechtmaterial verwendet. DIe ersten Gärten waren mit Flechtzäunen eingefriedet. Durch den jährlichen Schnitt entstanden Kopfweiden, die das Landschaftsbild entlang der Bäche und Weiher geprägt haben. Kopfweiden sind das Ergebnis dieser Nutzung . Sie werden auch Felber genannt. Sie sind auch für die Natur wertvoll, da in ihnen viele Tiere Nistplätze und Nahrung finden.

Korbflechterware wird heute überwiegend aus dem Ausland importiert, sodass bei uns kaum mehr Weiden geschnitten werden. Daher gibt es kaum mehr Kopfweiden. Denn wenn die Weiden nicht mehr jährlich geschnitten werden, treiben die Kopfweiden durch und brechen  dann auseinander.

Gehölze sind langfristige Investitionen. Es dauert Jahre bis ein Baum die volle Größe und Schönheit entfaltet. Man sollte daher genau überlegen, bevor man einen Baum umschneidet, ob das Fällen tatsächlich notwendig ist.

Bäume sind die größten pflanzlichen Lebewesen. Sie waren für viele Orte namensgebend. Allein auf die Buche weisen zahlreiche Ortsnamen hin. Buchberg, Buchham, Buchegg, Buchet, Buchkirchen, Buchleiten, Buchmoos oder Buchscharten. Aber auch die meisten anderen heimischen Bäume sind in Ortsnamen zu finden. Ahorn, Ahornfeld, Apfelsbach, Apfoltern, Birnleiten, Birkham, Pieredt, Pühret, Danedt, Danrad, Thening, Eibenberg, Eichham, Eichedt, Erledt, Eschberg, Eschenau, Ficht, Felberau, Gfehret, Haselbach, Kranabitten, Lindach, Linden, Lindet, Nußbach, Nußbaum, Nußberg, Nußdorf, Rosenau, Weidenholz, Weinberg, Weinzierl. Es ist natürlich möglich, dass die ursprüngliche Bedeutung nicht von einem Baumnahmen herrührt, sondern dieser erst später hinein interpretiert wurde.